Das Inselhaus – von Leonora Christina Skov

REZENSIERT VON

CHRIS

“Das Inselhaus” von Leonora Christina Skov ist als “Kriminalroman” betitelt. Der Klappentext klang hochspannend, so dass ich mir dieses Buch unbedingt zulegen wollte:

Sieben Menschen, die einander noch nie getroffen haben, werden aus den unterschiedlichsten Gründen zu einem Arbeitsaufenthalt auf eine Insel eingeladen. Wie sich herausstellt: auf eine einsame Insel. In ein Haus aus Glas. Doch warum gerade sie? Und wer ist überhaupt derjenige, der ihnen anonym die Einladung hat zukommen lassen? Wer lässt extra ein Haus für sie bauen? Und warum? Während ihres Aufenthalts geschehen seltsame und unerklärliche Dinge auf der Insel. Immerhin gibt es keine Toten. Zumindest noch nicht …

Ein Haus aus Glas, eine einsame Insel, 7 sich unbekannte Menschen. Daraus kann ein intelligentes und extrem spannendes Buch werden. Dachte ich und wurde leider etwas enttäuscht.

Aber von vorn – die Geschichte beginnt aus dem Blickwinkel der Journalistin Robin Lee in Addis Abbeba. Sie hat eine unangenehme Begegnung mit einem Fremden und aufgrund dieser Begegnung erzählt sie ihrem Freund, was ein Jahr zuvor, auf der einsamen Insel Stormø passiert ist. 7 Menschen wurden ausgewählt, einen Monat auf der Insel Stormø im Rahmen eines Arbeitsaufenthalts zu verbinden. Das Besondere daran: die Insel ist abgelegen, es gibt kein Telefon, kein Internet und das Haus ist fast komplett aus Glas.

Die Geschichte wird aber nicht nur aus der Perspektive von Robin Lee beleuchtet – nein, alle Charaktere kommen zu einem Erzählstrang aus ihrer Perspektive. Das mache einerseits das Konzept spannender (denn oft funktioniert ein herkömmlicher Krimi ja nur aus der Perspektive des Erzählers bzw. einer Figur), andererseits schleppt sich das Buch dahin… denn jeder Charakter bekommt eine ausschweifende und umfangreiche Erzählung seiner selbst. Das mag als Charakterstudie interessant sein, verlangsamt aber den “Krimi”.

Damit wären wir beim Punkt Handlung: Auf Stormø passiert erst mal nicht viel. Es wird gegessen, gearbeitet, miteinander belanglose Gespräche geführt und… kopuliert. Selbst als plötzlich ein Charakter verschwindet, ändert sich nicht viel daran.

Ab der Hälfte des Buches fängt man an, die Zusammenhänge zu sehen, die sich ergeben. Dann sollte ein guter Krimi richtig Fahrt aufnehmen. Aber der Leser wird hingehalten. Er weiß bereits, wohin die Reise geht – aber es will einfach nicht vorwärts gehen.
Die Gesamtauflösung ist dann im letzten Kapitel des Buches zu finden… vieles wusste man schon, andere Zusammenhänge werden dort auf einigen Seiten wiedergegeben. Es wirkt beinahe gehetzt. Es klären sich soweit alle Fragen, die man hatte – oder nicht hatte. Und es lässt den Leser etwas ratlos zurück.

“Das Inselhaus” ist definitiv kein klassischer Krimi, sondern eher eine Charakterstudie. Als Solche funktioniert das Buch. Nicht aber als Krimi. In einem Krimi erwarte ich mehr Handlung, mehr aufgeworfene und vielleicht beantwortete Fragen (oder zumindest den Versuch der Charaktere, sie zu beantworten). Vielleicht ist das die Art des Krimis im Norden (immerhin ist die Autorin Dänin), aber das Inselhaus vermochte mich leider nicht durchgehend zu begeistern.

Ein “nice to read” von mir – aber mehr leider auch nicht.

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